Nachgefragt.

Georg Hettich über Aktuelles und allgemeine Themen.

Turin 2006.

Die Olympischen Spiele in Turin waren ohne Zweifel der bisherige Höhepunkt meiner sportlichen Karriere. Und der Tag an dem ich Olympiasieger wurde, war einfach perfekt.

Gold in Turin

Die Vorbereitung auf dieses Ereignis verlief eigentlich relativ unspektakulär. Nach einem guten Start in die Saison und einem kleinem Tief Anfang Januar bin ich immer besser in Form gekommen. Das Gefühl auf dem aufsteigenden Ast zu sein gab mir eine innere Sicherheit und so bin ich auch jeden Weltcup im Vorfeld der Spiele gestartet. Es gab keinen Grund speziell zu trainieren, sondern die Wettkämpfe an sich waren die beste Vorbereitung.

Nachdem ich dann vor Ort war, stieg natürlich auch die Nervosität. Ein solches Ereignis hat immer einen besonderen Charakter und ist nicht vergleichbar mit Weltcup- Veranstaltungen oder mit einer Weltmeisterschaft. So war ich auch froh als am 11. Februar endlich der Einzel- Wettkampf losging. Im Wettkampf selbst laufen immer die gleichen Schemas ab, dabei ist es fast egal ob es die Olympischen Spiele sind oder ein irgendein anderer.

Wie dieser Tag dann ausging ist weithin bekannt. Ich habe immer gesagt, dass wenn einmal alles zusammenpasst kann ich gewinnen. Und an diesem Tag hat alles zusammengepasst.

Danach verliefen die folgenden zwei Wochen wie im Traum, manchmal kann Skispringen und Langlaufen so einfach sein. Mit dem Satz „Go with the flow“ kann ich mein Gefühl dieser Tage beschreiben.

Auch der vieldiskutierte Team- Wettkampf gehört in diese Kategorie. Noch nie ist die gesamte Mannschaft so gut in einem Team- Wettkampf gesprungen. Das es am Ende nicht für Gold gereicht hat, liegt schlicht und ergreifend an den noch besseren Österreichern. Die Aufstellung für den Langlauf war auf Gold ausgerichtet. Mit großem Respekt für Jens Gaiser, er hat die Verantwortung des Schlussläufers übernommen und die Silbermedaille erkämpft. Wir haben uns alle wirklich sehr über diese Medaille gefreut. Im Leistungssport kann man einen Sieg eben nicht erzwingen. Und wenn alles zusammenpasst werden wir auch einmal im Team gewinnen.

Es waren bewegende Tage in Pragelato, von denen ich noch lange zehren werde. Auf den letzten Meter vor der Ziellinie hat sich für mich ein Traum erfüllt. In meiner Vorstellung bin ich schon öfters als Erster bei einem Großereignis ins Ziel gekommen, aber es dann wirklich zu schaffen war ein unglaubliches Gefühl. Dieser Moment und die Siegerehrung auf dem Medals Plaza in Turin für Platz 3. im Sprint waren Entschädigung genug für jahrelanges hartes Training und Motivation genug für die nächsten Aufgaben.